Gestern und heute fand ein Vernetzungstreffen des DGB zum Thema Social Media statt. Da mich das Thema einfach persönlich interessiert und ich über meine gewerkschaftliche Anbindung auch regelmäßig mit sozialen Medien arbeiten muss, habe ich mich angemeldet.

Jetzt ist das Treffen vorbei und ich sitze wieder im Zug Richtung Heimat. Da gefühlt die Hälfte der Bahnstrecken Deutschlands überschwemmt zu sein scheint, werde ich wohl oder übel noch einige Stunde in der Bahn verbringen. Zeit die ich dafür nutzen will, ein persönliches Resümee über die Veranstaltung zu verfassen.

Gestern gab es einen Vortrag von @gibro (sein Blog) zum Thema „Möglichkeiten und Perspektiven von Social Media und Gewerkschaften“. Einiges was er in seinem Vortrag berichtet hat, war mir bereits bekannt. Bemerkenswert auch, dass er den gleichen Aufruf an uns gerichtet hat wie es Sascha Lobo auf der diesjährigen re:publica getan hat.

Das Zentrum der Kommunikation muss das eigene Blog bzw. die eigene Webseite sein!

Ich will diesen Aufruf an dieser Stelle nochmals unterstützen. Zum einen sollten die Daten in unserer Hand – sprich auf unseren Servern – sein. Egal ob wir als Privatpersonen oder Organisationen im Internet Inhalte verbreiten. Denn: Was passiert wenn bei Facebook morgen die Lichter ausgehen? Wird es eine Export oder Backup Funktion geben? Und wenn ja: Wie kann ich die Daten danach noch nutzen?

Einen zweiten Punkt den Guido genannt hat war genauso interessant.

Im Internet spielt die Wertigkeit eine viel größere Rolle als die Reichweite!
Kernaussage von ihm war (sofern ich das richtig aufgefasst habe), dass gute Inhalte auf keine große Reichweite angewiesen sind. Da sie sich in sozialen Netzwerken von selbst verbreiten. Innerhalb von sozialen Netzwerken stimme ich dem auch voll zu.

Bei Blogs und Webseiten sieht das Ganze meiner Meinung nach etwas anders aus. Wenn wirklich niemand meinen Blog liest, gibt es auch niemanden der meine schriftlichen Auswürfe weiterverbreiten kann. Klar kann ich meine Inhalte immer auf Facebook pushen und hoffen, dass sie dort geteilt werden. Aber ist mein Facebook Freundeskreis denn wirklich auch meine Zielgruppe? Vielleicht blogge ich ja über mein Hobby, dass ich mit meinen Facebook-Freunden gar nicht teile?

Wertige Inhalte verbreiten sich von selbst. Soweit so gut. Aber was beeinflusst denn diese Wertigkeit? @Gibro sagt an dieser ganz klar, dass Vertrauen mitunter eine große Rolle spielt. Und wenn ich so darüber nachdenke, muss ich ihm auch hier voll und ganze Recht geben. Warum lese ich denn gerne die Blogs von Caschy und Jean-Claude Frick? Nicht weil es hoch investigativer Journalismus ist. Sondern weil ich den beiden vertraue und es Inhalte sind die mich interessieren. Ich vertraue darauf, dass ihre Meinungen nicht durch Firmen beeinflusst sind und sie gesponserte Posts deutlich als solche erkennbar machen. Auch relevant hierbei: Bei den beiden Bloggern stehen erkennbar Personen dahinter. Kein anonymes etwas, dass mir Beiträge beschafft, sondern Menschen.

Bitte versteht mich hier nicht falsch und denkt jetzt, dass ich eine Klarnamen-Pflicht im Web fordere, damit die Personen hinter Accounts erkennbar werden. Spitznamen oder Pseudonyme funktionieren hier genauso gut. Aber eben nur mit dem Wissen, dass es Menschen dahinter sind. Keine Organisationen.

Da wären wir aber auch bei dem zweiten Punkt, der sehr wichtig ist. Inhalte müssen interessant sein. D.h. heißt konkret, dass ich meine Zielgruppe definieren und ihre Interessen kennen muss. Klingt für mich ein wenig nach Marketing. Aber das ist es doch auch was wir wollen oder? Likes, Shares und Comments!

Und das wollen wir nicht nur als Organisationen sondern auch ganz klar als Privatpersonen.

Ich will mich an dieser Stelle noch einmal bei Guido für den spannenden Vortrag und die Denkanstöße bedanken.